☕ Der Geist der Baščaršija: Der Alte Basar
Die Baščaršija ist der osmanische Kern von Sarajevo und sein kultureller Herzschlag. Durch diese engen, gepflasterten Gassen zu schlendern, fühlt sich an wie eine Zeitreise in das 15. Jahrhundert. Der Duft von gegrilltem Fleisch, starkem Kaffee und süßem Gebäck liegt ständig in der Luft:
- Sebilj: Der ikonische Holzbrunnen im Zentrum des Taubenplatzes (Pigeon Square). Er ist der meistfotografierte Ort der Stadt. Die Legende besagt, dass jeder, der von diesem Wasser trinkt, eines Tages nach Sarajevo zurückkehren wird. Es ist ein pseudomaurischer Kiosk, der 1891 erbaut wurde und heute ein beliebter Treffpunkt ist.
- Gazi Husrev-beg Moschee: Ein atemberaubendes Beispiel osmanischer Architektur und seit dem 16. Jahrhundert das Zentrum des islamischen Lebens der Stadt. Sie gilt als die wichtigste Moschee in Bosnien und Herzegowina. Besucher sind außerhalb der Gebetszeiten willkommen, um den friedlichen Innenhof und die prächtige Innenarchitektur zu bewundern. Der Komplex umfasst auch eine Medresa (Schule), eine Bibliothek und einen Uhrturm (Sahat Kula), der nach Mondzeit geht.
- Kupferschmiedgasse (Kazandžiluk): Eine der ältesten und charmantesten Straßen im Basar. Hier können Sie Handwerker beobachten, wie sie kunstvolle Kaffeesets (Džezva), Teller und Souvenirs hämmern und gravieren, genau wie sie es seit Jahrhunderten tun. Das rhythmische Klopfen des Hammers auf Kupfer ist der Soundtrack dieser Straße.
- Das Zusammentreffen der Kulturen (Sarajevo Meeting of Cultures): Suchen Sie nach der in den Boden eingelassenen Markierung in der Ferhadija-Straße. Wenn Sie nach Osten blicken, sehen Sie die niedrigen Dächer und Minarette des osmanischen Basars. Wenn Sie sich umdrehen und nach Westen blicken, sehen Sie die hohen, verzierten Fassaden der österreichisch-ungarischen Architektur. Es ist eine der wenigen Stellen auf der Welt, an der man den architektonischen Übergang zwischen Orient und Okzident so deutlich sehen kann.
🛡️ Zeuge der Geschichte: Erster Weltkrieg und die Belagerung
Sarajevo stand im 20. Jahrhundert gleich zweimal im tragischen Mittelpunkt der Weltgeschichte. Um die Seele der Stadt zu verstehen, muss man ihre Narben kennen:
- Lateinerbrücke (Latinska ćuprija): Diese bescheidene Steinbrücke über die Miljacka war der Schauplatz eines der folgenreichsten Ereignisse der modernen Geschichte. Am 28. Juni 1914 erschoss der 19-jährige Gavrilo Princip hier den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie – das Attentat, das den Ersten Weltkrieg auslöste. Eine einfache Gedenktafel an der Ecke markiert die Stelle, und das angrenzende Museum von Sarajevo 1878-1918 erzählt die Geschichte dieses schicksalhaften Tages.
- Tunnel der Hoffnung (Tunel Spasa): Ein tief bewegendes Museum in der Nähe des Flughafens. Es bewahrt den Eingang zu dem 800 Meter langen, handgegrabenen Tunnel unter der Landebahn des Flughafens. Während der fast vierjährigen Belagerung in den 1990er Jahren war dieser schmale, feuchte Gang die einzige Lebensader der Stadt zur Außenwelt, durch die Lebensmittel, Medikamente und Waffen geschmuggelt wurden. Ein Gang durch das erhaltene Teilstück ist eine demütigende Erfahrung.
- Kriegskindheitsmuseum (War Childhood Museum): Ein einzigartiges und emotionales Museum, das sich nicht auf militärische Strategien konzentriert, sondern auf die Erfahrungen der Kinder, die im Krieg aufwuchsen. Es zeigt persönliche Gegenstände – ein Tagebuch, ein Spielzeug, ein Paar Ballettschuhe – und erzählt die Geschichten dahinter. Es wurde 2018 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichnet.
- Galerie 11/07/95: Diese Galerie bietet einen kraftvollen und herzzerreißenden Einblick in das Massaker von Srebrenica durch Fotografie und audiovisuelle Exponate. Es dient als Mahnung an die Schrecken des Bosnienkrieges und ist ein Muss für jeden, der die jüngere Geschichte der Region verstehen will.
- Sarajevo-Rosen: Achten Sie beim Gehen auf dem Bürgersteig auf die sogenannten "Sarajevo-Rosen". Dies sind Narben im Beton, die durch Mörsergranatenexplosionen entstanden sind und später mit rotem Harz gefüllt wurden, um an die Menschen zu erinnern, die an genau dieser Stelle getötet wurden. Sie sind ein stilles, aber allgegenwärtiges Denkmal im Stadtbild.
🏔️ Berge & Aussichten: Das Olympische Erbe
Umgeben von den Dinarischen Alpen war Sarajevo Gastgeber der Olympischen Winterspiele 1984. Die Berge sind ein fester Bestandteil des Stadtlebens:
- Sarajevo-Seilbahn (Trebevićka žičara): Fahren Sie in 10 Minuten vom Stadtzentrum auf den Berg Trebević für einen atemberaubenden Panoramablick über das Tal.
- Olympische Bobbahn: Auf dem Trebević können Sie entlang der verlassenen Betonbahn von '84 spazieren. Sie ist heute mit bunten Graffiti bedeckt und von Wald umgeben – ein einzigartiges Fotomotiv.
- Gelbe Festung (Žuta Tabija): Der beste Ort für einen Sonnenuntergang über den roten Dächern der Stadt. Ein beliebter Treffpunkt für Einheimische.
🍽️ Gastronomie-Guide: Ein Geschmack von Bosnien
Die bosnische Küche ist herzhaft, fleischlastig und köstlich. Sarajevo ist der beste Ort, um sie zu genießen:
- Ćevapi: Der unbestrittene König des bosnischen Essens. Kleine gegrillte Hackfleischröllchen, serviert im Somun (Fladenbrot) mit Zwiebeln und Kajmak. Besuchen Sie Ćevabdžinica Željo in der Baščaršija.
- Burek & Pita: Herzhafte Kuchen aus dünnem Filoteig. Die Regel lautet: "Burek" ist nur mit Fleisch. Mit Käse heißt es "Sirnica", mit Spinat "Zeljanica".
- Klepe: Bosnische Teigtaschen (ähnlich wie Ravioli), gefüllt mit Fleisch und serviert mit einer Knoblauch-Joghurt-Sauce. Probieren Sie sie bei Dženita.
- Baklava: Zum Nachtisch die lokale, mit Walnüssen gefüllte Baklava. Sie ist süß, sirupgetränkt und passt perfekt zum starken Kaffee.
🎒 Praktische Tipps für 2026
- Währung: Bosnien nutzt die Konvertible Mark (BAM oder KM), die an den Euro gebunden ist (1 EUR = 1,95 BAM). Viele Orte nehmen Karten, aber Bargeld ist in der Altstadt oft noch König.
- Transport: Das Stadtzentrum ist sehr kompakt. Für längere Strecken nutzen Sie die historischen Straßenbahnen oder günstige Taxis.
- Sicherheit: Sarajevo ist sehr sicher. Das Hauptrisiko sind Taschendiebe in touristischen Gebieten. Bleiben Sie beim Wandern auf markierten Wegen.