⛪ Die Kathedrale & Das Heilige Erbe
Das Herz von Santiago schlägt in und um seine gewaltige Kathedrale, das Ziel aller Pilger.
- Catedral de Santiago de Compostela: Spaniens bedeutendstes romanisches Bauwerk. Die barocke Westfassade täuscht über den romanischen Kern hinweg. Im Inneren befindet sich der "Pórtico de la Gloria", ein Meisterwerk der Bildhauerei, und in der Krypta ruhen die angeblichen Gebeine des Apostels Jakobus. Das Umarmen der Jakobusstatue am Hochaltar ist ein festes Ritual.
- Praza do Obradoiro: Der "Platz der Handwerkskunst" ist das emotionale Zentrum. Hier kommen alle Pilger an. Umrahmt wird er von vier Gebäuden, die die vier Gewalten der Stadt symbolisieren: Kirche (Kathedrale), Regierung (Raxoi-Palast), Königtum (Hostal dos Reis Católicos) und Bildung (Colegio de San Jerónimo).
- Botafumeiro: Eines der bekanntesten Symbole der Kathedrale. Dieser 53 kg schwere, versilberte Weihrauchkessel wird von acht Männern ("Tiraboleiros") durch das Querschiff geschwungen, bis er fast die Decke berührt. Ein atemberaubendes Spektakel, ursprünglich gedacht, um den Geruch der Pilger zu übertünchen.
- Hostal dos Reis Católicos: Einst von den Katholischen Königen als Hospiz für kranke Pilger gegründet, ist es heute eines der luxuriösesten und ältesten Hotels der Welt (Parador). Auch als Nicht-Gast lohnt ein Blick in die prächtigen Innenhöfe.
🏰 Mittelalterliche Altstadt & UNESCO-Erbe
Rund um die Kathedrale erstreckt sich ein Labyrinth aus Granitgassen und Bogengängen.
- Casco Histórico: Die gesamte Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Die Straßen sind mit Granitplatten gepflastert, die im Regen silbern glänzen. Mittelalterliche Paläste, Klöster und Kirchen reihen sich aneinander.
- Rúa do Franco: Die wohl berühmteste Straße der Stadt, bekannt für ihre unzähligen Restaurants und Tapas-Bars. In den Schaufenstern sieht man frische Meeresfrüchte und die berühmten Jakobsmuscheln. Hier pulsiert das Leben bis tief in die Nacht.
- Mercado de Abastos: Nach der Kathedrale die meistbesuchte Sehenswürdigkeit. In den historischen Markthallen findet man das Beste, was Galizien zu bieten hat: fangfrischen Fisch, Meeresfrüchte, Käse ("Tetilla") und Gemüse. Ein Fest für die Sinne.
- Kloster San Martiño Pinario: Gleich hinter der Kathedrale liegt dieses gewaltige Benediktinerkloster, das zweitgrößte religiöse Gebäude Spaniens nach dem Escorial. Sein barocker Altar ist überwältigend.
🚶 Der Jakobsweg & Pilger-Tradition
Der "Camino" ist allgegenwärtig und prägt die Atmosphäre der Stadt wie nichts anderes.
- Pilgerbüro (Oficina del Peregrino): Hier holen sich Pilger, die mindestens 100 km zu Fuß (oder 200 km per Rad) zurückgelegt haben, ihre "Compostela" ab – die offizielle Urkunde. Ein Ort voller Emotionen, Freude und erschöpfter Glückseligkeit.
- Monte do Gozo: Der "Berg der Freude" liegt etwa 5 km vor der Stadt. Von hier aus erblicken Pilger zum ersten Mal die Türme der Kathedrale. Ein bewegender Moment nach wochenlanger Wanderung.
- Das Pilger-Ritual: Traditionell umfasst die Ankunft: Besuch der Kathedrale, Umarmung der Apostel-Statue, Besuch der Krypta und Teilnahme an der Pilgermesse. Viele Pilger verbrennen symbolisch ein Kleidungsstück (heute meist nur noch am Kap Finisterre).
- Museo das Peregrinacións: Das Pilgermuseum widmet sich der Geschichte und Bedeutung des Jakobswegs. Es zeigt Kunstschätze, Pilgertrachten und erklärt die spirituelle Dimension des Phänomens.
🎭 Kultur & Galerien
Santiago ist auch eine moderne Universitätsstadt mit einer lebendigen Kulturszene.
- CGAC (Galicisches Zentrum für Zeitgenössische Kunst): Ein architektonischer Kontrast zur Altstadt, entworfen vom Stararchitekten Álvaro Siza. Es zeigt moderne Kunst und liegt direkt neben dem alten Kloster San Domingos de Bonaval.
- Museo do Pobo Galego: Das "Museum des galicischen Volkes" im Kloster San Domingos de Bonaval. Es zeigt die traditionelle Kultur, Landwirtschaft, Fischerei und Trachten Galiziens. Highlight ist die berühmte dreifache Wendeltreppe.
- Cidade da Cultura: Ein gigantisches, futuristisches Kulturprojekt auf dem Berg Gaiás, entworfen von Peter Eisenman. Die Architektur, die sich wie Wellen in die Landschaft schmiegt, ist umstritten, aber definitiv sehenswert.
🍽️ Galicische Küche & Spezialitäten
Galiziens Küche gilt als eine der besten in Spanien – rustikal, frisch und vom Meer geprägt.
- Pulpo a la Gallega (Polbo á feira): Das Nationalgericht. Gekochter Oktopus, in Scheiben geschnitten, mit Olivenöl, grobem Salz und viel Paprika (Pimentón) serviert. Dazu gibt es Cachelos (Kartoffeln). Ein Muss!
- Tarta de Santiago: Ein saftiger Mandelkuchen ohne Mehl, verziert mit dem Jakobskreuz aus Puderzucker. Das perfekte Dessert und ein beliebtes Souvenir.
- Pimientos de Padrón: Kleine grüne Paprikaschoten, in Olivenöl gebraten und gesalzen. Vorsicht: "Manche sind scharf, manche nicht" (Uns pican e outros non). Ein kulinarisches Russisch Roulette.
- Albariño-Wein: Der frische, fruchtige Weißwein aus den Rías Baixas passt perfekt zu den Meeresfrüchten. Probieren Sie ihn in einer der vielen Weinstuben ("Tazas").
- Empanada Gallega: Eine herzhafte gefüllte Teigpastete, meist mit Thunfisch, Fleisch oder Bacalao (Stockfisch). Der perfekte Snack für zwischendurch.
🌳 Parks & Natur
Santiago ist eine außerordentlich grüne Stadt mit wunderschönen Parks.
- Parque da Alameda: Das "grüne Wohnzimmer" der Stadt. Von hier aus, besonders vom "Paseo de la Herradura", hat man den besten Postkartenblick auf die Kathedrale, besonders bei Sonnenuntergang. Hier steht auch die Statue der "Zwei Marias", zwei exzentrische Schwestern, die örtliche Berühmtheit erlangten.
- Parque de Bonaval: Ein Park auf dem Gelände eines alten Friedhofs, entworfen von Álvaro Siza und Isabel Aguirre. Eine Oase der Ruhe mit Blick über die Dächer der Altstadt.
🚇 Praktischer Santiago-Führer
- Beste Reisezeit: Mai, Juni, September und Oktober sind ideal. Im Hochsommer (Juli/August) ist es voller Pilger, aber das Wetter ist am stabilsten. Winter sind mild, aber sehr regnerisch.
- Anreise: Der Flughafen Santiago (SCQ) ist international gut angebunden. Der Bahnhof ist modern und bietet Schnellzugverbindungen (AVE) nach Madrid.
- Fortbewegung: In der Altstadt geht alles zu Fuß (Autos sind meist verboten). Für weiter entfernte Ziele gibt es Busse. Zum Flughafen fährt ein günstiger Shuttlebus.
- Sprache: Man spricht Spanisch (Castellano) und Galicisch (Gallego), eine Sprache, die dem Portugiesischen ähnelt. Englisch wird in der Tourismusbranche gut verstanden.
- Ausflüge: Ein klassischer Tagesausflug führt ans "Ende der Welt", das Kap Finisterre (Fisterra) an der Costa da Morte, wo viele Pilger ihre Reise traditionell beenden und den Sonnenuntergang über dem Atlantik beobachten.